Geschichte

… POSEGGEN GIBT ES NICHT MEHR….

 

Pożegi , eine kleine Siedlung etwa 15 km südöstlich von Johannisburg (Pisz), hatte eine interessante Vergangenheit. Erste Siedlungen gab es schon vor der Gründung des Dorfes; es gibt eine archäologische Stätte aus der Bronzezeit (1800-1000 v. Chr.).

Siehe Anmerkung # 3

1428 wurde  die erste Siedlung in dieser Gegend erwähnt;  diese Besiedlung bestand fort und daraus entstand Pożegi im Jahre 1448 nach dem Magdeburger Recht.

Bei der Dorfgruendung bestand das Dorf aus 10 „Wlok“ landwirtschaftlichem Land. (Anmerkung von Udo: włók ziemi (erde) – wlok  =  30 Morgen = 20 Hektar. Auch bekannt as “lana”, eine alt-preussische Masseinheit)

Die Gründungsurkunde wurde für die Brüder Andreas und Stanislaus Pożegi ausgestellt. Im Falle eines Krieges , waren sie verpflichtet, zwei Mann zu Verfügung zu stellen.

Der Name der Siedlung kommt zweifellos von den Namen der Besitzer der aus dem Jahre 1448 stammenden Gründungsurkunde. Einige deutschen Studien versuchen manchmal, den Namen der alten preußischen Herkunft zuzuordnen.

Das Dorf gehörte zur Pfarrei Kumielsk (Morgen) obwohl  in der ersten Zeit seines Bestehens fälschlicherweise als Kumelsk bezeichnet wurde.

Ursprünglich hieß  das Dorf Postegen , Posthegen , Poschegenn .

Im Jahre 1525 , nach der Säkularisierung des Deutschen Ordens , haben sich  die Dorfbewohner zum neu eingefuehrten lutherischen ( Evangelisch -Augsburger ) Glauben bekannt. Wie in der gesamten Region wird  die neue Religion ohne Widerstand akzeptiert.

Am 28. Oktober 1579 wird  Pożegach in einem Kirchbuch erwähnt. So stellte ein Schriftstueck  des Schreibers der Pfarrei Kumielsk fest, dass Poschegenn zur Pfarrei zugehoert; und aus sechs freien Bauern und einerm Knecht („Zagronik“) bestand. Das nutzbare Land  bestand aus insgesamt 10 Wlok (Anmerkung von Udo: włók ziemi (erde) – wlok  =  30 Morgen = 20 Hektar ist auch als “lana” Alt-preussische Masseinheit bekannt).

Die Familien werden mit ihren Namen erwähnt .

(Anmerkung von Udo :. Ein Knecht (Zagrodnik) hatte ein Häuschen und ein kleines Stück Land mit einer Fläche von nicht mehr als 1/4 lana; nach der Abschaffung der Leibeigenschaft wurde mit der Ausübung der freien Arbeit für Sie bis zu 3 Tage pro Woche berechnet. Einige der “Zagrodnik” uebten neben der Landwitrschftsarbeit Kunsthandwerk aus.)

Die ersten Namen der Familien, die später in Pożegach leben stammen aus der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts , also nach der Masureninvasion der mongolischen Horden ( Tartaren) in 1656 und 1657.

Aus einem  Schriftstueck, entstanden ein paar Jahre später, kann man die menschlichen Verluste der tatarischen Invasion entnehmen:

Folgende  Bewohner  aus Pożegów wurden entführt:

  • „Jacob Zayka wurde entführt – mit Orsulla seiner Frau , im Alter von 30 , und Tochter Kascha , im Alter von 7 , und sein Sohn Woytek , 9 Jahre
  • John Zimanczigka , 50, wurde zusammen mit ihren Töchtern Hedwich , Alter 30 , und Anna , 10 Jahre entführt
  • Paul Jurcigk entführt zusammen mit seinen Sohn Stasch ( Anmerkung von Udo: Stasch ist anscheinend die Verniedlichungsform oder Kinderform des Namens Stansilaus) im Alter von 17 Jahren.
  • John Ruta wurde entführt  zusammen mit seiner Frau Eva , 28, und seiner Tochter Hedwich im Alter von 20 , und sein Sohn Woytek , im Alter von 7
  • Zessny Possegga wurde  entführt zusammen mit seinen Sohn Stasch im Alter von 11 Jahren. “

Die Anzahl der Opfer ist unbekannt.

Die polnische Abstammung der Bewohner von Pożegów wird durch die folgenden Namen bestätigt.

Im Jahre 1663 lebten hier Pawel Jurczig , Paul Sczesnig , Czayka Jacob , Jacob Christosezig , Paul Siemanczig , John Szweg  — bekannt als  „ Freie ” aus dem Dorf Possegen .

Somit gibt es  100 Jahre später in der Pfarrei Pożegach immer noch sechs Freie Bauern .

Ein Vergleich der beiden Einwohnerlisten zeigt , dass in Posegga der Name Ruta verschwand und es dafür drei neue Namen gibt: Sczesnig , Christosezig (es sei denn Christofzig ) und Szweg . Ausserdem wurde die Schreibweise von Zimanczigk in Siemanczig umgewandelt. Vielleicht war Paul Siemanczig der Sohn von John Zimanczigka .

Um 1800 gruendete Paul Jedamczyk  eine neuen Familie in Pożegach .

Ein weiterer neuer Name ist Skowronnek . Der Schriftsteller Fritz Skowronnek beschreibt 1870 den perfekten Urlaub in Pożegach , wo der ältere Bruder seines Vaters — sein Onkel Samel Skowronnek (Anmerkung von Udo: gemaess Skowronnek Stammbaum ist Samel ein direkter Vorfahr vom Heinz und Ernst Staschik) — einen Bauernhof von 700 Morgen hatte.

Schon vor dem Ersten Weltkrieg erwarb August Bartsch, wahrscheinlich eine kleinere Laenderei in der Gegend.
Zwischen 1895 und 1930 war der ländliche Anbaubereich 191 Hektar. Die Einwohnerzahl in Pożegach hat sich folgendermassen  verändert:

  • 1867 -79Einwohner
  • 1871 -86 Einwohner
  • 1895 -83 Einwohner
  • 1925 -75 Einwohner

Doch nach der Volkszählung von Mai 1939 hatte das Dorf nur noch 56 Einwohner.

In Pożegach gab es keine Schule. Die Kinder gingen  in eine Ein-Klasse-Schule  nach Bogumiłach , wo   in der Zwischenkriegszeit der Lehrer Zielinski und später Seeck arbeiteten.

Im Jahr 1933 wurde der Name der Siedlung offiziell zu  Poseggen geändert.

In der Zwischenkriegszeit gab es 11 Anwesen in Pożegach , einschließlich einem verlassenen  Anwesen  (Ruinen eines Holzhauses ) .

Die Bewohner dieser Anwesen  an der Jahreswende 1944/45 waren wie folgt: Gustav Geske , Bernhard Schwenzfeir , Otto Rattay , Auguste Friedriszik , Gustav Nusch, Ludwig Jedamzik ​​, Gustav Staschik ( Anmerkung von Udo: Opa Staschik aus Kierberg), Gustav Slomka .

Nach 200 Jahre überlebt nur ein Name: Jedamzik ​​– allerdings mit geänderter Schreibweise .
Im Januar 1945 erfogte  eine Zwangsevakuierung der Zivilbevölkerung ; es war der Anfang des Endes des Dorfes.

Aus einem Bericht des Bürgermeister des Bezirks Piskiego ( Anmerkung von Udo: Gegend um Pisz) vom Ende des Jahres 1945 kann man entnehmen , dass sechs landwirtschaftliche Betriebe zerstört wurden, und vier damals noch bewohnbar waren . Vielleicht wurden diese restlichen vier Betriebe bald zum Opfer der Plünderer aus Kurpien  

Pożegi wurden offiziell an die Gemeinde in Turowo/ Bogumiłach  angegliedert.

Nach 1945 wurde die Siedlung nicht mehr bewohnt oder  aufgebaut.

 

 

 

 

  1. 1.        Anmerkung von Udo: Gemaess eines Gespraeches ( August 2013 – Uebersetzung durch den Kurator vom Museum in Pisz) mit Jan Morczanski ( 78 Jahre alter pensionieretr Gemeinde Beamter, heute wohnhaft in Pisc) wurde nach der Zerstoerung und dem Niederbrennen der Haeuser in Poseggen die noch benutzbaren Mauersteine und andere Steine mit der Schubkarre in das Dorf Filipki Male ( etwa 10 km suedoestlich von Poseggen) gebracht. Mit diesen Steinen wurden dort Haeuser repariert / gebaut die heute noch bestehen.

 2.        Anmerkung von Udo: Ich bin mir nicht sicher ueber die Masseinheiten. Irgendwie stimmen die Relationen nicht. Es scheint verschiedene Relationen zwischen der Masseinheit „wlok“, „lana“, „Morgen“ und  „Hektar“ zu geben.

 3.        Anmerkung von Udo: Es wird geschätzt, dass im Jahr 1200 rund 220.000 Alt-Preußen in diesem Gebiet (Masuren) lebten. Die Wildnis war ihre natürliche Verteidigung gegen die Angriffe von Möchtegern-Eindringlingen. Während der Kreuzzüge des frühen 13. Jahrhunderts , benutzten die Alt-Preußen diesen dichten Wald wieder als eine Art Verteidigung.

Sie taten es wiederum gegen die Ritter des Deutschen Ordens im Jahre 1226. Der Orden versuchte die einheimische Bevölkerung zum Christentum zu bekehren und zu taufen — wenn nötig mit Gewalt .

In der anschließenden Eroberung, die mehr als 50 Jahre dauerte, wurde die ursprüngliche Bevölkerung, vor allem während der großen preußischen Rebellion von 1261-1283, ausgerottet. In den Jahren 1278 bis 1283 wurde die Beseitigung der urspruenglichen Kultur abgeschloss (ethnic cleansing!). Nur kleine Gruppen ueberlebten waehrend der folgenden Jahrzehnte in den Waeldern.
Nach der Übernahme des Gebietes begannen Polen sich in dem süd-östlichen Teil der eroberten Region niederzulassen.

Kurz darauf kamen Deutsche, Französische , Flämische , Dänische, Niederländische und Norwegische Kolonisten in das Gebiet. Anfang des 15. Jahrhunderts wuchs die Zahl der polnischen Siedler wieder deutlich — vor allem nach dem ersten und dem zweiten Verträgen von Thorn , im Jahre 1411 und 1466.

 Später assimilierten sich die deutschen Siedler sowie die polnischen Einwanderer und alle anderen  – es entstand eine neue preußische Identität.

 4.        Von mir sehr frei aber bestmoeglichst uebersetzt aus einem polnischem Text von Ryszard Wojciech Pawlicki

Kontakt Adresse:

Ryszard Wojciech Pawlicki , ul. Tuwima 32, 12-200 Pisz  

www.ryszewo.pl

e-mail: ryszard.w.pawlicki@neostrada.pl

5 thoughts on “Geschichte

  1. Guten Tag,

    durch Zufall bin ich auf diese Seite gestoßen – und bin sehr froh darüber, denn Paul Jedamczyk ist ein Vorfahr von mir! Darum würde ich mich sehr freuen, wenn Sie mir die Informationsquellen über Paul, seine Geschichte und seine Familie zugänglich machen könnten.

    Hello,

    by chance i detected this site, and I am very happy about it, because Paul Jedamczyk is an ancestor of mine. Therefore i would be glad, if you could deliver me the sources about Paul, his history and his familiy.

    Freundliche Grüße / Best regards

    Stefan Jedamczik

  2. Mein Vater Max Staschik ist geboren in Wonlik. Er kam mit seiner Familie (Vater Ludwig) nach dem 1. Weltkrieg ins Ruhrgebiet nach Gelsenkirchen-Buer.
    Gerne möchte ich seine Geburts- und Lebensstätte besuchen. Wie heißt Wonlik auf polnisch? Wohnen möglicherweise dort noch Verwandte?
    Vielen Dank für eine Antwort.

  3. Dem Verfasser einen lieben Dank für Ihre Mühe !
    Mein Vater : Gustav Slomka , geb.1931

    Ich fahre mit “Papa” nach Poseggen …!

  4. Mein Urururgrossvater war derJohann Posegga oder Pozega, viele Schreibweisen,er war verheiratet mit der Susanna geborene Skopnik bzw. Skopnikowa.
    Tochter war u.a. die Louise die den Jacob Hoffmann aus Orlen heiratete.
    Habe alle Urkunden. Sie kommen alle aus Rudowken aus dem Sensburger Raum.

    R. Maslo

  5. Wirklich schön der Bericht über das verschwundene Poseggen. Auch ich bin ein Nachfahre. August Bartsch, der etwas Land erwarb in der Nähe war mein Ur-Großvater. Würde gern etwas mehr erfahren wenn möglich.

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